Ein bisschen Frieden

Das wünschte sich schon die blutjunge Nicole und gewann damit 1982 den Eurovision Song Contest. 36 Jahre später geht die Israelitin Netta aus dem Wettsingen als Siegerin hervor, in ihrer Heimat sterben nach wie vor täglich Menschen und der nahe Osten ist immer noch – oder schon wieder – ein großer Unruheherd voller Blut und Tod. Das verwundert umso mehr, als doch ausgerechnet der frühere US-Präsident Barack Obama schon 2009 den Friedensnobelpreis erhalten hat. Was für eine Auszeichnung: Eine der höchsten und ehrenvollsten, die diese Welt zu vergeben hat. Als Nobelpreisträger befindet man sich in der Gesellschaft von Henry Dunant, des Gründers des Roten Kreuzes (der Erste, 1901), Völkerbund-Initiator Woodrow Wilson (1919), Albert Schweitzer (1952), Martin Luther King (1964), Andrej Sacharow (1975), Mutter Teresa (1979) oder Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk (1993).

Das norwegische Nobel-Komitee begründete seine Entscheidung für Obama mit dessen außergewöhnlichen Bemühungen zur Stärkung der internationalen Diplomatie und zur Zusammenarbeit zwischen den Völkern: „Das Komitee hat dabei besonderes Augenmerk auf Obamas Vision und seine Arbeit für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt.“

Tatsächlich dürfte es sich dabei auch bei den Norwegern um Visionen gehandelt haben: In die Amtszeit Obamas fällt die politische Destabilisierung Nordafrikas und des Nahen Ostens, die eine der größten Flüchtlingswellen der vergangenen Jahrzehnte in Richtung Europa ausgelöst hat. Aus den zwei Kriegen, die Obama von seinem Vorgänger George W. Bush übernommen hatte – Afghanistan und Irak – wurden in seiner Präsidentschaft acht militärische Konflikte weltweit, in die die USA involviert waren: Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan, Uganda, Somalia, Jemen und Kamerun. „Unter ihm (Obama, Anm.) war die amerikanische Nation zwei Amtszeiten ununterbrochen im Krieg“, resümierte die „New York Times“.

Sieger – und Nobelpreisträger – sehen anders aus.

Doch davon hat sich das Nobelpreiskomitee nicht beeindrucken lassen. „Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat den Verhandlungen über Abrüstung und Rüstungskontrolle kräftige Impulse verschafft. Dank Obamas Initiative spielen die USA nun eine konstruktivere Rolle, um dem massiven Klimawandel zu begegnen, mit dem die Welt sich konfrontiert sieht. Demokratie und Menschenrechte gewinnen an Stärke“, lautete die Begründung 2009 weiter. Aus dem Atom-Abrüstungsvertrag mit dem Iran ist Obamas Nachfolger Trump mittlerweile ebenso ausgestiegen wie aus dem Pariser Klimaschutzabkommen; insofern ist es nur logisch, dass Trump bereits als nächster Friedensnobelpeisträger gehandelt wird. „Ich kann bestätigen, dass Trump nominiert ist“, sagte der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts, Henrik Urdal, laut „Spiegel online“ der Onlinezeitung „Nettavisen“. Das ist Trump allerdings bereits zum dritten Mal, dieses Mal wegen der sonderbaren Annäherung an den nordkoreanischen „rocket man“ Kim Jong-Un, der seinem international für Entrüstung sorgenden Atomwaffentestprogramm überraschend abgeschworen und den Abbruch des Testgeländes angeordnet hat. Dieses sei allerdings schon zuvor durch Atomversuche instabil und unbrauchbar geworden, meinen Experten.

Allerdings geht es auch bei Nobelpreisen selbst nicht immer friedlich zu, wie derzeit das schwedische Literaturnobelpreis-Komitee erleben muss. So wird der begehrte Preis heuer nicht verliehen: Die hochrangige Jury ist aufgrund eines Sex-, Steuer- und Korruptionsskandals dermaßen zerstritten, dass an eine geregelte Auswahl und Preisvergabe gar nicht zu denken ist. Dem Mann eines Komiteemitglieds wird vorgeworfen, gleich 18 Frauen sexuell belästigt zu haben, darunter auch die schwedische Prinzessin Viktoria. Der soll der Unhold bei einer Veranstaltung unter anderem an den Hintern gefasst haben, was laut „Dagbladet“ drei voneinander unabhängige Augenzeugen bestätigen.

Kein bisschen Frieden, wie es scheint.

Dieser Text ist erschienen im Juni 2018 in einer Beilage zu Magazinen der Verlagsgruppe NEWS.

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