Ist alles Chimäre…

…aber mich unterhalt’s!, dichtetet der österreichische Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor Johann Nepomuk Nestroy vor fast 200 Jahren in der Posse „Die Papiere des Teufels“. Ging es damals um Intrigen und Erbschleicherei, sind heute Klimawandel und Umweltzerstörung die beherrschenden Themen der Jugend geworden und das größte Motiv ihres politischen und gesellschaftlichen Engagements. So lautet das Ergebnis der 18. Shell-Jugendstudie, einer alle vier Jahre erhobene Großumfrage unter mehr als 2500 Teilnehmern im Alter von 12 bis 25 Jahren, die kürzlich in Berlin präsentiert wurde. „Fast drei Viertel der Befragten nennen Umweltverschmutzung als aktuelles Problem, gefolgt von Klimawandel und Angst vor Terroranschlägen, die von zwei Drittel der Befragten als wichtige Sorge eingeordnet werden“, berichtet die FAZ unter dem Titel „Es ist der Klimawandel, Dummkopf!“, mit einem Demo-Foto der deutschen „Fridays for Future“-Ikone Luisa Neubauer.

Zwölf Jahre zuvor, im April 2007, klang das in der hochseriösen FAZ noch ganz anders: „Die Sorge ums Weltklima ist in eine Klimahysterie umgeschlagen. Dabei wechselten sich in der Erdgeschichte Kalt- und Warmzeiten ständig ab, ohne dass das ‚Klimagas‘ CO2 dabei eine Rolle spielte.“ Es drohe gar eine Klimadiktatur, prophezeite Christian Bartsch. Und weiter: „Der menschliche Beitrag zur Erzeugung von CO2 soll weder verniedlicht noch abgestritten werden. Nur taugt er nicht dazu, eine Klimahysterie auszulösen. Und schon gar nicht dazu, das Klima für 100 Jahre vorherzusagen, wenn es bereits schwerfällt, das Wetter für die kommenden drei Tage zu bestimmen.“

Bildergebnis für nestroySchon erstaunlich, was sich offenbar in der Wissenschaft, die sich mit Jahrmillionen befasst, in einem Dutzend Jahren verändern kann. Kalt- und Warmzeiten, schreibt die FAZ, hätten sich im Lauf der Erdgeschichte unablässig abgelöst: „Dabei gab es keinen Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2 in der Atmosphäre.“ Berechnungen des Niels-Bohr-Instituts in Kopenhagen ließen vermuten, dass die abrupten Wärmeeinbrüche von sieben bis zehn Grad etwa alle 1470 Jahre zufällige Erscheinungen seien, gar „chaotische Fluktuationen des Klimasystems selbst. Es fehlen derzeit alle Daten, um Beziehungen zwischen den verschiedensten Ereignissen herstellen zu können. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre hatte darauf keinen Einfluss, er änderte sich völlig unabhängig davon.“

Erst nach dem – tatsächlich heißen – Juni 2019 kam auch die FAZ aufs Kohlendioxid: „Klar ist: Menschengemachte Klimagase in der Luft, vor allem Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, haben einen beträchtlichen Anteil, Extremwetter auszulösen, indem sie nämlich die Erde erwärmen und die Dynamik der Luftströmungen verändern.“ Bei so viel alternativen Fakten allein in einem Medium soll sich noch einer auskennen. Dabei geben sich die Klimaretter wirklich Mühe, die Berichterstattung der Medien in Klimafragen einheitlicher zu gestalten: „Hunderte Medien in den USA und anderen Ländern sind seit Monaten Teil einer Initiative namens ‚Covering Climate Now‘ (Klima Berichterstattung Jetzt). Das Projekt wurde im April 2019 gestartet und hat nach eigenen Angaben mehr als 350 Medienpartner“, schrieb kürzlich das Portal „Achse des Guten“.

Diejenigen, die vom kurz bevorstehenden Untergang der Welt nicht im politisch korrekten Ausmaß überzeugt sind, vermuten hinter dem weltweiten Medienhype rund ums Klima den Versuch, unter dem Deckmantel der Weltrettung zumindest neue Steuern durchzusetzen („Never waste a good crisis!“ © Hillary Clinton) oder gleich die Ökodiktatur auszurufen („Problem mit der aktuellen Demokratie“ © Carola Rackete). Der Ökonom Niko Paech will die Apokalypse gar durch weitreichende Verbote abwenden: „Vordringlich ist der Rückbau einer Mobilität, die mit dekadentem Luxus korrespondiert und dabei Massen an Öl verbraucht. Es gibt kein Menschenrecht darauf, eine Kreuzfahrt zu buchen. Es gibt kein Menschenrecht darauf, Urlaub mit dem Flugzeug zu machen“, verlangt Paech im Gespräch mit der dpa eine „Befreiung vom Überfluss“.

Geht es nach zwei Kollegen von Paech, Marc Friedrich und Matthias Weik, löst sich das Überflussproblem allerdings demnächst von selbst. Sie warnen auf dem Focus-Börsenportal vor einer „knallharten Rezession“ mit dramatischem Wohlstandsverlust und hoher Arbeitslosigkeit in Europa: „Demnächst werden wir freitags ganz andere Demos erleben.“

Wie schrieb schon Nestroy (in der Posse „Die verhängnisvolle Faschingsnacht“)? „Und ’s ist alles nicht wahr! Und ’s ist alles nicht wahr!“

 

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