Aussterben dem Klima zuliebe

Seit in der Antarktis ein Eisfeld von der Größe des Burgenlandes mit einem Gewicht von einer Billion Tonnen abgebrochen ist, gibt es für die allzeit besorgten Medien kein Halten mehr: Die Erde wird wärmer, das Eis schmilzt, der Meeresspiegel steigt, bald wird von den Malediven und den Niederlanden nicht mehr viel herausschauen.

Zu viel Recherche macht die beste Story kaputt, lautet ein Lebensprinzip des Boulevardjournalisten. Sonst hätte man eventuell zutage gefördert, dass auch die monströs klingende Billion Tonnen lediglich ein 26.000stel der gesamten antarktischen Eismasse ausmacht. Aber nun weiß doch inzwischen jedes Kind, dass die Gletscher schmelzen, die Zeitungen und Magazine sind voll von Vorher-Nachher-Fotos, in Scharen fahren die Klimabewegten mit dem Auto die Großglockner-Hochalpenstraße hinauf, um die schwindende Pasterze zu sehen. Da passen andere wissenschaftliche Forschungsergebnisse wie jene des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nicht ins Bild: „In den letzten 30 Jahren hat die Masse der antarktischen Eiskappe zugenommen, einen 6000-jährigen Trend umgekehrt. Die Antarktis enthält 90 % des Eises in der Welt und wächst.“

Dabei steht doch völlig außer Zweifel: Die menschengemachten Abgase von Millionen Autos und Industrieanlagen reichern seit 1900 die Atmosphäre mit Kohlendioxid an, verursachen den Treibhauseffekt und verändern das globale Klima. Das merkt jeder: Die Winter sind zu warm oder zu kalt, die Sommer auch, und die Gewitter werden immer heftiger. Ein Tornado in Österreich, wie zuletzt in der Nähe des Flughafens Schwechat – wann hat es das je gegeben?

Öfter als man glaubt: Zwischen 1951 und 2010 wurden hierzulande immerhin rund 100 Tornados registriert. Aber solche Fakten sind doch deutlich überbewertet, wie die Debatte um die Luft verdeutlicht: Sie besteht aus Stickstoff (78%), Sauerstoff (21%) und Argon (0,93%). Ganze 0,04 Prozent macht das böse Kohlendioxid aus. Der Mensch ist allerdings wiederum nur für etwa drei Prozent davon verantwortlich, den großen Rest produziert die Natur selbst.

Ungeachtet dieser Tatsachen ist die Politik weltweit bereit, unzählige Milliarden an Steuergeld für durchaus zweifelhafte CO2-Einsparungsprogramme locker zu machen, mit denen sich jede Menge Organisationen, Firmen und Menschen weltweit goldene Nasen verdienen. Laut einer OECD-Studie würden die angeblich notwendigen Investitionen in den Klimaschutz weltweit ein Plus beim Wirtschaftswachstum von insgesamt 4,7 Prozent bis 2050 schaffen, schrieben unlängst die Salzburger Nachrichten. Dass dieser „Wohlstandsgewinn“ auch bei den mit täglich neuen Horrorszenarien eingeschüchterten und solcherart gefügig gemachten Konsumenten landet, die die CO2-Party mit unnötig hohen Strompreisen, Umweltsteuern und Öko-Abgaben schon heute bezahlen, darf heftig bezweifelt werden.

Aber die politisch korrekte Klimaforschung geht noch einen Schritt weiter: Eine aktuelle Studie zur „Klimaschutzlücke“ rechnet vor, dass ein einzelner Mensch mit dem Verzicht aufs Auto bis zu 2,4 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr einsparen kann, mit fleischloser Ernährung 0,8 Tonnen, ohne Fliegen 1,6 Tonnen. Alles Peanuts im Vergleich zu den 58,6 Tonnen, die man durch den „bewussten Verzicht auf ein Kind“ sparen kann. Bei einer Geburtenrate in Europa von 1,57 bedeutet dieser Expertentipp das Aussterben innerhalb der nächsten 100 Jahre.

Dabei ist seit dem Megaumweltthema „Waldsterben“ in den achtziger Jahren gesunde Skepsis bezüglich des in immer kürzeren Erregungszyklen wiederkehrenden Weltuntergangs durchaus angezeigt. Damals brachte die Panikmache den Umweltschutzgedanken in die Welt und die Grünen in die europäischen Parlamente. Heute stehen die Wälder immer noch, in Österreich wächst pro Sekunde ein Kubikmeter Holz zu.

Apropos Skepsis: Sie gehört zu den fundamentalen journalistischen Grundtugenden, deren Niedergang die Branche deutlich mehr in Mitleidenschaft zieht als das Internet, die zunehmende Leseschwäche oder die fallenden Werbeeinnahmen. „80 Prozent weniger Insekten in Deutschland“, alarmierten dieser Tage die deutschen Medien unisono. Das Messergebnis stammt von zwei Stellen in einem Krefelder Naturschutzgebiet. Hätte man die für diese #alternativefacts verantwortlichen Politiker fragen, hätte man auch selber herausfinden können.

Aber zu viel Recherche… (siehe oben).

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