Beauty and the Beasts

Das Wiener Arbeitsinspektorat, die ösische Ausgabe von Elliot Ness und seinen Unbestechlichen, hat eine Missetäterin entlarvt: Eine junge Unternehmerin, die unter blanker Missachtung der zahllosen amtlichen Bestimmungen zur Einschränkung selbstständiger wirtschaftlicher Tätigkeit Kunden und Mitarbeiter gefährdet. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder ohne Gängelung durch das Amt und seine Amtspersonen tun und lassen könnte, was er will? Der Kunde ist vielleicht König, aber Kaiser ist der Amtssachverständige!

Bei einer Kontrolle entdeckten die Bewahrer der rechtskonformen Ausgestaltung von Arbeitsplätzen erschütternde Zustände: Im Waxing-Bereich fehlte die für Arbeitsräume vorgeschriebene „Sichtverbindung ins Freie“ vulgo Fenster, die Belüftung war nicht ausreichend, ein dritter(!) Fluchtweg nicht vorhanden, der Mitarbeiterbereich mit 20 Quadratmetern zu klein und die Decke um vier Zentimeter zu niedrig. Aus Sicht des Arbeitsinspektorats handelt es sich offenbar um ein stickiges, finsteres Loch, in das sich keine Kunden und schon gar nicht Mitarbeiter verirren dürfen.

Doch deren Wirklichkeit sieht offenbar ganz anders aus: Der superstylishe Schönheitsladen im 1. Wiener Gemeindebezirk mit dem aus den USA importierten „Walk-in“-Konzept erfreut sich beim meist weiblichen Publikum und den ebensolchen Beschäftigten großer Beliebtheit. Weniger beliebt sind mittlerweile die regelmäßigen Besuche der gestrengen Inspektoren, die die Betreiberin die volle Härte des Gesetzes spüren ließen: Auflagen ohne Ende, Kontrollen am laufenden Band, jetzt die erste Strafanzeige – könnt‘ ja sonst jeder kommen.

Bei Beauty-Queen Katia Wagner dürften die Beasts vom Arbeitsinspektorat aber an die Falsche geraten sein. Die heute 29-jährige Tochter einer steirischen Mutter und eines indonesischen Vaters war 2013 nicht nur Miss Earth Austria und zweite der internationalen Ausscheidung (Miss Earth Air), sie hat auch ein Studium der Zahnmedizin (mit Ausnahme der Diplomarbeit) in der Tasche und mittlerweile drei Beauty-Salons aufgebaut. Bei einem solchen Lebenslauf ist die in Österreich ansonsten weit verbreitete Akzeptanz für amtliche Schikanen vielleicht weniger ausgeprägt, deshalb zog Wagner in den sozialen Medien gegen diese Form der amtlichen Schönheitsbehandlung zu Felde: Zuerst erregte sie viel Aufmerksamkeit mit ihrem Vorschlag, das Intim-Waxing künftig in der Auslage durchzuführen, immer hin hatte das Arbeitsinspektorat doch Fenster vorgeschrieben.

Dann machte sie öffentlich, dass sich – mutmaßlich durch ihre enden wollende Kooperationsbereitschaft – die Zahl der behördlichen Auflagen mehr als verdoppelt habe und sie die Beamten öfter sehe als ihre Eltern. Zitat aus ihrem Posting: „Der Slogan ‚Goschn, sonst wirst droschn‘ wäre doch ein viel treffenderer Slogan als „beraten statt strafen“, liebes Arbeitsinspektorat.“ Vor kurzem dann der Knalleffekt in der haarigen Affäre: Wagner kündigte an, im Mai ihre mittlerweile drei Innenstadt-Läden zuzusperren:  „Was ich hier erlebt habe, hat mit Rechtsstaat nichts mehr zu tun und auch nicht mit Arbeitnehmerschutz“, sagte sie zum „Kurier“.

70 Mitarbeiter verlieren also ihre Arbeitsplätze, weil die dem Arbeitsinspektorat nicht sicher genug waren; jetzt macht das Arbeitsamt weiter.

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